AfD stolpert weiter

Stolperstein der Gebrüder AptDie Arnsberger AfD hat wieder eines ihrer Lieblingsthemen in Antrag gegossen: Antiislamismus.
Die Partei wünscht, dass die Arnsberger Stolpersteine durch Gedenktafeln ersetzt werden. Hierbei bezieht sie sich auf Frau Knobloch, ehemals Zentralratsvorsitzende der jüdischen Gemeinde in Deutschland. Nach dieser sei es eine Missachtung, auf den Gedenken herumzutreten. Ihr Nachfolger und viele andere sehen es allerdings komplett gegensätzlich. Die AfD bedient sich einer Einzelmeinung, um das Gedenken an die Opfer weniger sichtbar zu machen.

Lange Jahre wurde in Deutschland versucht, die schrecklichen Ereignisse der Nazizeit zu vergessen und zu verdrängen. Erst in den neunziger Jahren entstanden auch in der Bevölkerung Arnsbergs Ideen, der Opfer der Nazi-Diktatur mit Namen zu gedenken (der erste Antrag der Grünen stammt aus dieser Zeit). Es ist sinnvoll, Erinnerungen an die Opfer dieser Zeit auf vielfältige Weise anzuregen. Durch Namenslisten, Stolpersteine, Gedenkfeiern am 9. November und andere Initiativen. Die AFD zielt mit Ihrem Antrag darauf, Erinnerungen und Gedenkmöglichkeiten, die in dieser Stadt akzeptiert sind, zu diffamieren.
Wenn man den Antrag liest, fragt man sich nach dem wirklichen Hintergrund. Zitat: „Deutsche sollen über ihre Vergangenheit „stolpern“, so die Idee [der Stolpersteine]. Sie sollen zum Hinschauen gezwungen werden und damit zum Nachdenken anregen.“ Der zweite Satz holpert ein bißchen grammatikalisch, das kann vorkommen. Man fragt sich allerdings: Will das die AfD oder will sie das nicht? Man solle „Gedenktafeln in Augenhöhe anbringen“ so die Forderung. Dass wir längst Gedenktafeln mit den Namen aller bekannten Opfer des Nationalsozialismus haben, ist der AfD noch verborgen geblieben. Wer so wenig ums real existierende Gedenken an die Opfer weiß, bei dem darf man auch bezweifeln, dass es ums „würdige Gedenken“ geht, besonders wenn wir den letzten Satz des Antrages lesen: „Auch der immer stärker wachsende islamische Antisemitismus darf hierbei nicht aus dem Blick geraten.“ Dieses vollkommen zusammenhanglos in den Raum gestellte Statement offenbart des Pudels Kern: man will eigentlich den bösen Islamisten angreifen, der auf den Stolpersteinen herumtreten und urinieren könnte!
Da der Antrag von allen Parteien als unsinnig angesehen wurde, wurde er folgerichtig bereits im Kulturausschuss in Bausch und Bogen (10 zu 1) abgelehnt und wird nicht einmal mehr in den Rat gehen. Weiter so, AfD!

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