Geothermie und Energiewende in Arnsberg

Geothermie Bohrloch - Bild: Stadtwerke ArnsbergLeider ist auch vor Ort die Einsicht in die Notwendigkeit dieser Wende noch nicht in allen Köpfen angekommen. Wenn in einem Leserbrief beklagt wird, dass Geothermiewärme der Stadtwerke nicht billiger sei als marktübliche Energie, ist das einfach zu kurz gedacht. Es wird weder berücksichtigt, dass diese Geothermie unsere eigene, lokal produzierte Energie ist. Verkäufer und somit auch Arbeitgeber und Steuerzahler sind nämlich die „Stadtwerke Arnsberg“ und nicht Putins Gazprom und/oder die RWE. Die Wertschöpfung dieser lokalen Energieerzeugung in Form von Arbeitsplätzen, Gewinnen und Steuereinnahmen geschieht hier in Arnsberg und bleibt bei uns in Arnsberg. Nicht bei den RWE-Aktionären und in Russland. Auch die CO²-Einsparung durch die Geothermie berücksichtigt der Leserbriefschreiber nicht. Für manche nur ein netter Nebeneffekt, langfristig gedacht aber für uns alle überlebenswichtig und in EUR gar nicht zu beziffern. Und: Da die Vorräte an fossilen Brennstoffe – auch Gas – beschränkt sind, werden die Preise dafür weiter stetig steigen, wie seit Jahren schon. Die Kosten für erneuerbare Energien wie Geothermie hingegen werden sehr wahrscheinlich langfristig stabil bleiben oder sogar sinken. Siehe Solarstrom. Die Probleme bei der Geothermie-Bohrung und beim Rohrmaterial waren ärgerlich, aber so ist das nun einmal bei Pioniertaten. „Erfahrung ist ein ausgezeichneter Lehrer, aber die Honorare sind hoch“, lautet ein Sprichwort.

Atomkraft nein dankeWenn sich am 11. März das Erdbeben von Fukushima jährt, gedenken in aller Welt die Menschen der 20.000 Opfer der Katastrophe und fragen sich, wie weit wir in Deutschland denn gekommen sind mit der versprochenen Energiewende. Fukushima hat 25 Jahre nach Tschernobyl gezeigt, Atomkraft ist überall auf der Welt eine nicht verantwortbare Risikotechnologie, die keine Zukunft hat. Denn inzwischen wurde widerlegt, dass erst der Tsunami die AKWs derart beschädigte, sondern dies bereits durch die Erdbeben geschah. Und die gibt es überall.

Der Abschaltbefehl für die sieben ältesten AKWs im Land kam durch den Druck der Bevölkerung zustande, die restlichen neun Kraftwerke sollen bis 2022 folgen. Das hörte sich zunächst gut an, aber Atomausstieg bedingt den Ausbau der erneuerbaren Energien, und der wird blockiert wo es nur geht.

Man nehme die aktuelle Kürzung der Solarförderung um 20 – 30 %. Für die beiden geplanten Freiflächensolaranlagen in Holzen könnte das bereits das Aus bedeuten. Vielleicht verhindert der Bundesrat noch das Schlimmste, darauf kann man noch hoffen, zumal es auch in der CDU gärt.
Die Bundesregierung argumentiert mit Sparzwang. Man will, Zitat Röttgen, „die Zubaumenge und die Kosten wirksam begrenzen“. Energiewende geht anders.

Deswegen ist es wichtig, vor Ort, auch in Arnsberg den Umstieg in eine zukunftsfähige und umweltverträgliche Energieerzeugung voran zu bringen. Das Holzhackschnitzelheizwerk am Berliner Platz, was jetzt gebaut wird, ist ein Mosaikstein davon. Auch das schafft Arbeitsplätze vor Ort, weil so eine Anlage im Gegensatz zu einem Gashahn Personal benötigt. Und weil es mit Holz – ein nachwachsender CO²-freier Rohstoff – betrieben wird. Möglichst natürlich mit Holz aus unseren eigenen, Arnsberger Wäldern. Und dann entstehen auch da zusätzliche Arbeitsplätze. Selbst wenn die Wärme aus diesem Kraftwerk in EUR/KWh hinterher nicht billiger sein sollte, als eine Gasheizung, hat Arnsberg trotzdem dabei gewonnen: Einige Arbeitslose weniger sparen jeder Kommune zum einen viel Geld und bringen über Steuereinnahmen sogar noch zusätzliche Einnahmen in den Haushalt. Die CO²-Einsparung kommt noch dazu und wird mittelfristig die Kosten senken. Der Handel mit CO²-Zertifikaten ist erst am Anfang. In den nächsten Jahren wird jede Energie, die uns mit zusätzlichem CO² belastet – also Gas, Kohle, Öl … – deutlich teurer werden. Erneuerbare Energien hingegen nicht.
Wir haben in Arnsberg noch viel Potenzial. Mit einem Waldanteil von 62% unserer Fläche gehören wir zu den waldreichsten Städten in ganz Deutschland – das sollten wir nutzen. Etliche Schützenhallen und nahezu jede klapprige Scheune, die ein Dach halbwegs Richtung Süden hat, sind auch in Arnsberg mit Solarmodulen bestückt. Warum nicht unsere städtischen Gebäude wie Sporthallen, Krankenhäuser, Schulen usw.?
Die Energiewende muss vor Ort angepackt werden. Das ist nicht nur ökolgisch geboten sondern auch ökonomisch sinnvoll. Zusätzliche Arbeitsplätze und langfristige günstigere Energiekosten werden unsere notleidende Stadtkasse spürbar entlasten.

Thomas Wälter
Sprecher Bündnis 90/Die Grünen – OV Arnsberg

Teile diesen Inhalt:

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld