Herr Wagenfeld sollte kein Namensgeber sein

Es gibt immer noch Benennungen aus alter Zeit, wo die Namensgeber NS-Vergangenheit haben. Auch wenn es schwierig war, sich als gesellschaftlich aktiver Mensch zur Nazizeit nicht regimefreundlich zu zeigen, gibt es Grenzen, deren Überschreitung nicht mehr toleriert werden sollte. Karl Wagenfeld war ein glühender Nazi, und als solcher kein geeigneter Namenspatron für Schulen und Straßen. Darum unsere Anregung, eine Schule in Neheim und zwei Straßen in Hüsten umzubenennen.

Karl Wagenfeld, Mitgründer des Westfälischen Heimatbundes,  hat in seinen schriftlichen Zeugnissen einen sehr klaren Ausdruck seines Menschenbildes hinterlassen: Neger, Kaffern und Hottentotten sind Halbtiere, Fremdrassige sind Volksverderber und Schädlinge, Menschen in „Krüppel- und Idiotenanstalten“, in Fürsorgeheimen und Strafanstalten sind körperlich und geistig Minderwertige. Es ist jenes Menschenbild, das der Nationalsozialismus zur Errichtung seiner Ideologie vom Herrenmenschen und Untermenschen, zum Erlaß der Nürnberger Gesetze vom 16.9.1935, zur Euthanasie geistig und psychisch kranker Menschen, zum Kampf gegen alles „Artfremde“, zum Krieg gegen „Frankreichs Haß“ und „Polens Gier“ benötigte und benutzte.

Maria Kahle als mundartliche Schriftstellerin zählte nach der nationalsozialistischen Machtergreifung zu den entschiedenen Parteigängern des neuen Regimes, für das sie 1934 auf einer Südamerikareise Propaganda machte und das sie noch bis in die Endphase des Zweiten Weltkriegs bedingungslos unterstützte. Wenn man ihre Buchtitel aus der Nazizeit sieht: „Die deutsche Frau und ihr Volk“ 1930, „Deutsches Volk in der Fremde“  1936, „Deutsches Herz zwischen Heimat und Fremde“ 1943 und mit den Nachkriegtiteln vergleicht: „Was die Schildkröte erzählte“ oder „Mädchen im Urwald“ ist das schon sehr anschaulich.

Zwei Straßen in Hüsten erinnern an diese beiden Brandstifter. Eine Ehrung für Dr. Rudolf Gunst, dem letzten Bürgermeister Hüstens vor der Gleichschaltung, fehlt bis heute. Er wurde aus dem Amt gejagt von den Faschisten, seine Wohnung demoliert und die Möbel aus dem Fenster geworfen, und zeitlebens wurde ihm die Anerkennung seiner Verdienste verweigert von den teilweise immer noch in Amt und Würden sitzenden Tätern von damals. Eine historische Ungerechtigkeit vom allerhässlichsten Schlag.

Der grüne Antrag zur Umbennung

[Nachtrag Nov. 2013:
Diskussion im Nov. 2013 zur Umbenennung
Ergänzungsantrag vom 21. Nov. 2013
endlich auf der Tagesordung des Rates für Dez. 2013 – „Dr.-Rudolf-Gunst-Straße“ soll der neue Name sein]

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