Kahlschlag am Römberg: Gründe und Fakten

Steilhang am Römberg unterhalb der RüdenburgAm Dienstag vor Ostern hatten wir als Fraktion der Grünen im Rat einen Ortstermin mit Förster Noseleit und Dr. Scheja vom Umweltamt am Römberg in Arnsberg. Leider war wegen des Kommunalwahlkampfes kein öffentlicher Termin möglich, aber die Ergebnisse möchten wir hier dokumentieren.

Es gab einiges Kopfschütteln in der Presse und in Internetforen über den Kahlschlag dieses Hanges, der zu einem Teil von der Stadt im Februar in Angriff genommen wurde, zum Teil aber auch noch später von privaten Waldbesitzern. Für uns war zuallererst das Vorgehen der Stadt auf der Fläche oberhalb des Getränkehandels maßgeblich, für den die Stadt verantwortlich zeichnet.
Der Zeitpunkt war in Ordnung, auch wenn wegen des allzu warmen Winters die Vegetation und die Tierwelt  schon mitten im Frühlingserwachen steckte. Blick vom Arnsberger Römberg ins TalAber die Zeit für volle Nester war sicher noch nicht gekommen, und besonders die Vogelwelt kann sich schnell neu orientieren, es mangelt nicht an Nistplätzen in Arnsberg.

Wenn man auf dem Separationsweg unterhalb der Rüdenburg steht, erkennt man die immense Steigung des Hanges, erst noch relativ flach, aber danach ausgesprochen steil abfallend. Dies war ein Grund für den quasi Kahlschlag: wenn man auf solchen Steilhängen einzelne Bäume stehen lässt, liegen sie beim nächsten Sturm unten, und zwar ganz unten. Hier zählt einfach die Sicherheit der Anlieger im Tal.

Der zweite Grund war der Wunsch des Heimatbundes an die Stadt, eine möglichst freie Sicht auf die Rüdenburg zu schaffen. Da die Fläche zum größten Teil mit Pappeln bepflanzt war, denen als ortsfremde Art kein hoher ökologischer Wert zugestanden wird, waren die beteiligten Behörden einverstanden, die Fläche zu entwalden und Platz für neue Bebuschung zu schaffen. PappelausschlagBei der Anzahl der Sprösslinge auf der Fläche wird schon sehr bald ein Jungbestand die Lücke optisch wieder schließen. Allerdings wird die nächsten Jahre eine konsequentes abschneiden der bereits sprießenden Pappel-Stockausschläge nötig sein, damit kein neuer Pappelwald heranwächst. Der oberhalb des Separationsweges liegende Staatsforst wurde in den vergangenen Jahren zwar gelichtet, aber hier durfte aus Naturschutzgründen nicht weitergehauen werden. Das muss – um eine Sicht auf die Rüdenburg zu bekommen – behutsam weiter verfolgt werden, aber liegt nun mal nicht in kommunaler Hand.

Es ist immer ein unschöner Anblick, wenn ein Wald abgehauen wird, und Kahlschläge sind inzwischen generell nicht mehr angesagt. Aus forstfachlicher Sicht liegt hier wegen dem extremen Steilhang aber ein Sonderfall vor, was man auch daran erkennen kann, dass der erste beauftragter Unternehmer die Segel strich und den Auftrag zurück gab. Die Arbeit an solchen Steilhängen ist nicht nur extrem anstrengend, sondern auch gefährlich. Ein weiteres Problem zu großer Bäume an an solchen Steilhängen ist: wenn die dann mal durch Sturm oder Schnee umkippen, reißen die Wurzelballen ein großes Stück Waldboden mit aus dem Hang. Und wenn die Bodenfläche an einem steilen Hang erst mal „Löcher“ hat, kann durch Erosion schnell auch mehr weggeschwemmt werden und ein paar Jahre später hat man eine nackte Felswand, die sich nie wieder begrünen lässt. Auch darum ist ein Niederwald an diesem Hang die Zielsetzung für die Zukunft, der gar nicht mehr so hoch aufstehen soll.

Fazit unserer Ortsbegehung war die Einsicht in forstliche NotwendigkeitenNeue Saat, die einem aus der Perspektive von oben wesentlich einleuchtender erscheinen als von unten. Die ökologischen Eingriffe waren mit den zuständigen Umweltbehörden im Vorfeld besprochen und genehmigt, und werden in sehr absehbarer Zukunft durch die Aufstockung mit Niederwald zu einem ökologisch wertvolleren Flächenzustand führen.

Den wenigen Bäumen, die im oberen, flacheren Bereich noch als Saatbäume stehen geblieben sind, sieht man die fehlende Standfestigkeit an: lange, dünne Stämme, die im Verband hochgeschossen waren, um ans Licht zu kommen. Als Saatbäume ausgewählt, die stehen blieben, damit der Wald durch Naturverjüngung jetzt als Laubmischwald heranwächst wurden Kirsche, Erle und Ahorn.

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