Naturschutz an erster Stelle: NSG Spreiberg

Blick ins NSG Spreiberg Richtung Süden, (c) Gerd Kistner

Die Wicheler Heide war bis 2006 militärisches Gelände, fast 100 Hektar Sperrzone. Auf vielen ehemaligen Truppenübungsplätzen entwickelten sich Rückzugsgebiete seltener Arten, und darum stand auch der Spreiberg (wo die Wicheler Heide liegt) seit Ende der Miltärnutzung als Naturschutzgebiet fest. Die Nutzungsarten, die stattfanden, waren mit diesem Naturschutz eigentlich nicht zu vereinbaren: freilaufende Hunde, Modellflieger mit ihren Fluggeräten, Spaziergänger in jedem Winkel… in den letzten Jahren verschwanden durch die Unruhe in dem Gebiet unter anderem die Feldlerche und der Neuntöter. Noch in den 80er Jahren gab es sogar die Kreuzkröte in dem tümpelreichen Gelände.
Seit 2016 hat die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe den Spreiberg übernommen, mit klarer Verpflichtung zum Schutz und der ökologischen Verbesserung des Areals.
Dazu gehört zuallererst eine Umstellung von Schaf- auf Rinderbeweidung. Nur diese Paarhufer erzeugen den „goldenen Tritt“, der den Boden auf ganz besondere Weise auflockert auflockert und so offene Bodenstellen für konkurrenzschwache Kräuter und wärmeliebende Kleintiere schafft. Diese Beweidung soll auf den Kernflächen im Innern des Gebietes stattfinden. Die Randbereiche werden mit Schafen beweidet, teilweise auch als Mähweiden zunächst zur Heugewinnung genutzt und dann mit den Schafen nachbeweidet. Um hier eine Verunreinigung des Heus durch Hundekot und Störungen durch freilaufende Hunde zu vermeiden, werden auch hier wertvolle größere Flächen von einem Zaun umgeben.Diese Zäune sind es, die bei einer Informationsveranstaltung mit AnwohnerInnen am 25.10.2018 in Hüsten auf besondere Skepsis stießen. Aber ohne Zäune geht es heute leider nicht mehr. Es sind nicht viele, die sich nicht an die Regeln halten, aber diese wenigen machen es unmöglich, dass sich scheuere Arten wieder einfinden und die Fläche endlich zur Ruhe kommt.
Bei der Vorstellung des vorläufigen Konzepts im randvollen Saal des Petrihauses hatte Dr. Axel Schulte von der biologischen Station Hochsauerlandkreis keine ganz leichte Aufgabe. Er stellte die Pläne vor und erläuterte die zukünftige Beweidung und Besucherführung. Die gereizte Anfangsstimmung wurde entspannter, als deutlich wurde, dass die Planer bei Details durchaus mit sich reden ließen. So hat der NABU mit dem Bundesministerium eine Lösung für das Osterfeuer von Müschede ausgehandelt, das nun auf einem dorfnahen Panzerwendepunkt bleiben darf.

Auch sie braucht Ruhe: die Blindschleiche (c) Gerd Kistner

Auch die Auszäunung dorfnaher Obstbäume, das Vorhalten eines kleinen Parkplatzes, der Ersatz des Schlagbaumes durch nutzerfreundlichere Poller wurden zugesichert, alles Vorschläge aus der Versammlung. Wie man die geforderte barrierearme Querung der Weideverbindung zwischen West und Ostseite verwirklichen kann, nahmen die NABU-Vertreter als Arbeitsauftrag mit.

Wir freuen uns auf die Umsetzung des tollen Projekts und die Wiederbefüllung einer ökologischen Schatztruhe. Für die Müscheder SpaziergängerInnen ist es eine Umstellung, die hoffentlich bald durch die Freude an wiedergewonnenen Naturschätzen vergessen sein wird. Wohltuend deeskalierend bei der Infoveranstaltung war der Bericht von CDU-Ratsherr Hubertus Mantoan, der sich mit anderen Interessierten im Vorfeld bei einem ähnlichen Projekt am Möhnesee umgesehen hatte und den Anwesenden versicherte, die geplanten 1,20 m hohen Elektrozäune seien derart unauffällig, dass sie nicht störend wirkten. Und so gingen die meisten Zuhörer am Ende gut informiert und mit dem Gefühl, angehört und auch gehört worden zu sein nach Hause.

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