Ökostrom für Arnsberg

Umstellung auf 100% Ökostrom

Die Umstellung der kompletten städtischen Stromversorgung (alle öffentlichen Gebäude + Straßenbeleuchtung) auf 100% Ökostrom nach OK-Power-Label war Ziel eines gemeinsamen Antrags der Arnsberger Grünen zusammen mit der CDU.
Eine Ausschreibung auf Ökostrom ohne Neuanlagenquote und die Errichtung von jährlich zwei neuen Anlagen zur Energiegewinnung aus regenerativen Quellen sorgt für eine nachhaltige Ausrichtung der städtischen Stromversorgung.

Hintergründe zu diesem Antrag:

Das Thema Ökostrom ist vielfältig. Es gibt „echten“ Ökostrom, es gibt „Pseudo“-Ökostrom, es gibt Ökostrom mit und ohne Zertifizierung, mit und ohne oder mit teilweiser sog. „Neuanlagenquote“.
Der ökologisch (und politisch) korrekteste Ökostrom ist zweifellos ein zertifizierter Ökostrom zu 100% aus Neuanlagen, der zudem noch von einem Anbieter produziert und geliefert wird, der wirtschaftlich nichts mit der bestehenden „Strommafia“ (RWE, EnbW, Vattenvall …)  zu tun hat. So weit die schöne Theorie.

Jeder Privatmensch darf selbstverständlich frei entscheiden, vom wem der Strom gekauft wird. Wenn ich mit meiner Stromrechnung nicht mehr den Kohle- und Atomstromern die Dividenden noch fetter machen möchte, dann beziehe ich meinen Ökostrom eben konsequenterweise von den Energiewerken Schönau, Lichtblick, Naturstrom oder greenpeace energy.

Eine öffentliche Institution wie eine Stadtverwaltung hat diese Freiheit (leider) nicht. Auch Stromlieferverträge müssen ausgeschrieben werden, wegen dem finanziellem Volumen in diesem Fall sogar EU-weit. Und gekauft werden muss dann das günstigste Angebot, egal ob der Anbieter einem „passt“ oder nicht.
Kriterien an die „Qualität“ des Stroms dürfen aber festgelegt werden. Diese Kriterien müssen klar definiert und EU-weit erfüllbar sein. Die Richtlinien des OK-Power-Labels erfüllen diese Anforderungen und sind aus ökologischer Sicht abslout ok. Es wird mit diesem Label ein wirklich „echter“ Ökostrom definiert.

Neuanlagenquote

Auch Strom aus z.B. 100 Jahre alten – längst abgeschriebenen – Wasserkraftwerken ist zu Recht „echter“ Ökostrom, weil regenerativ erzeugt und CO2-frei. Und Strom aus nagelneuen regenerativen Kraftwerken ist natürlich auch „echter“ Ökostrom. Und aus ökologischer Sicht viel sinnvoller aufzukaufen, um den Ausbau mit immer mehr dieser Kraftwerke zu fördern und so die Energiewende weiter voran zu bringen.
Ob bzw. zu wieviel Prozent der bezogene Ökostrom aus neuen oder alten Kraftwerken stammt wird als „Neuanlagenquote“ bezeichnet.
Die Kriterien des OK-Power-Labels garantieren auch bei Ökostrom ohne Neuanlagenquote einen „zusätzlichen Umweltnutzen“. Z.B. indem der Lieferant dieses Stroms nachweislich einen guten Teil seines Gewinns in Neuanlagen investiert. Dieser Ökostrom ohne Neuanlagenquote – wie ihn die Stadt Arnsberg nun ausgeschrieben hat – kostet wenn überhaupt nur marginal mehr als der sog. „Egalstrom“, also der allgemeine Strommix aus Atom-, Kohle-, Gas- und regenerativen Strom. Meistens ist solcher 100%-Ökostrom für den gleichen Preis in einer Ausschreibung zu bekommen, wie der „Egalstrom“, im schlimmsten Fall ist er 0,5 ct/KWh teurer …
Ökostrom mit 100% Neuanlagenquote ist hingegen 1,5 – 2,5 ct/KWh teurer als Egalstrom. Hört sich erst mal nicht viel an, und für einen Privathaushalt mit im Schnitt 3500 KWh im Jahr auch wirklich überschaubar (= knappe 6 €/Monat).
Die Stadt Arnsberg verbraucht aber im Jahr in all Ihren Gebäuden inkl. Straßenbeleuchtung ca. 14 Mio. kWh Strom …

Politische Diskussion dazu

Grüne und CDU waren sich einig, dass auf 100% Ökostrom umgestellt wird. Die Frage waren die Kosten und damit verbunden die oben erläuterte Neuanlagenquote. Einigung dazu war dann, dass wir günstigen Ökostrom ohne Neuanlagenquote für den kompletten Strombedarf ausschreiben wollen. Die dadurch „gesparten“ Mehrkosten in Höhe von ca. 250.000,00 € werden im Gegenzug in den Ausbau eigener, regenerativer Kraftwerke investiert (z.B. Solardächer auf städtische Sporthallen u.ä.).
Dieses Vorgehen macht ökologisch und wirtschaftlich Sinn: ca. 14 Mio kWh Ökostrom je Jahr reduzieren den CO2-Ausstoß der Stadt Arnsberg um ca. 8000 to. im Jahr!
Der gleichzeitige Aufbau eigener regenerativer Kraftwerke – bisher von den Stadtwerken total verschlafen – bringt mittelfristig über die Einspeisevergütung sogar Geld in die marode Haushaltskasse. Eine „rentierliche Investition“ also, wie die Haushaltsleute das nennen.
Die SPD fand diesen Plan kurz vor der Sitzung auch noch gut und signalisierte Zustimmung.
In der Sitzung bockte aber – wie kaum anders zu erwarten – die FDP mal wieder. Drohte sogar gleich mit Klage wegen unzulässigen freiwilligen Mehrausgaben. Von der FDP kam aber immerhin ein Gegenantrag: Statt kompletten Stromverbrauch auf Ökostrom ohne Neuanlagenquote umzustellen, sollen nur die Schulen und Kindergärten Ökostrom bekommen, dann aber mit 100%-Neuanlagenquote. (sicher auch einen Gedanken wert, andererseits schon verrückt: wegen eventuellen Mehrkosten von 70.000 € für 14 Mio. kWh günstigen Ökostrom droht die FDP mit Klage, sichere Mehrkosten in Höhe von ca. 20.000 € für 1 Mio kWh teuren Ökostrom beantragt sie aber gleich selber …)
Die SPD schwenkte auf FDP-Linie, und wegen Pattsituation im Ausschuss zwischen grün/schwarz und gelb/rot bekam keiner der Anträge dann eine Mehrheit.

Deswegen musste statt dem Ausschuss dann der Rat entscheiden, dort wurde der Antrag dann auch so beschlossen. Da durch diese Verzögerung bestimmte Fristen nicht mehr eingehalten werden konnten, kann der Ökostrombezug für die Stadt Arnsberg jetzt statt zum geplanten 01.01.2011 erst zum 01.07.2011 umgesetzt werden. Macht ca. 4000 to. vermeidbare CO2-Emmission … danke, FDP!

Antrag zur Umstellung der Stromversorgung auf Ökostrom

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