Zu viel der Ehre für Wagenfeld und Co.

Karl Wagenfeld Einen guten Kommentar hatte Redakteur Martin Schwarz am Samstag, 16.11.13, in der WAZ. Er forderte mehr Konsequenz bei der Umbenennung von Straßen, die nach Nazi-Ideologen und Mittätern benannt wurden. Die GRÜNEN haben den Antrag auf Umbenennung vor drei Jahren bereits gestellt und harren seitdem in wachsender Ungeduld der Umsetzung. Besonders Karl Wagenfeld als Namensgeber einer Hüstener Straße ist eine Zumutung, wenn man die aktive Propagandatätigkeit dieses Menschen fürs Regime betrachtet.

Die gleichnamige Grundschule in Neheim ist den Argumenten recht schnell gefolgt, die Umbenennung erfolgte 2012. Karl Wagenfeld war Mitbegründer des Westfälischen Heimatbundes und als solcher vertrat er die Blut- und Boden Ideologie des Regimes mit Leidenschaft. Ein Zitat von 1932: „Wir vom Westfälischen Heimatbund, wir schalten nicht um, wir brauchen nicht umzuschalten, weil wir stets im Sinne des Neuen Reiches gearbeitet haben.“

Wagenfeld war kein Biedermeier, er war ein Brandstifter, der die „Schädlingsbeseitigung“ propagierte, wenn er von politisch Andersdenkenden sprach. In einem Aufsatz vom Januar 1926 ist die Rede von denen, „denen deutsches Erbe ein Dorn im Auge ist. Mit ihnen gibt es nur Kampf, Kampf bis zu einem sieghaften Ende, mögen sie außerhalb unserer Grenzen sitzen oder als Fremdrassige das deutsche Gastrecht missbrauchen“. Gern hätte er einen Eugenik-Ausschuss bei Westfälischen Heimatbund angesiedelt, denn „die heute noch hemmungslose Fortpflanzung und Vermehrung der geistig Minderwertigen bedeutet eine wachsende Bedrohung Deutschlands in rassischer, kultureller, wirtschaftlicher und politischer Beziehung“.
Einem solchen Wegbereiter des Nationalsozialismus sollte nicht weiter die Ehre einer Straßenbenennung zugestanden werden.
Und auch keiner Maria Kahle, die schon in der Weimarer Republik aktiv in der völkisch-nationalen Bewegung war und für den antisemitischen und antidemokratischen „Jungdeutschen Orden“ als Redakteurin arbeitete. Das waren Mittäter, keine Mitläufer, keine Wegducker und keine unpolitischen Menschen, sondern handelnde Wegbereiter der Diktatur.

Zum Zeitpunkt der Antragstellung war uns der Komponist Georg Nellius noch nicht bekannt, der sich mit „Oden an den Führer“ hervortat und damit auch nicht ruhmbekleckert dasteht. Seine Vertonungen von „Volk und Führer“-Liedern sind aus derselben unrühmlichen, kritiklosen Begeisterung entstanden. „Treue dem Führer, Herz und Hand die haben wir ihm nur verschworen“, „Deutschlands Banner weh´n, wir werden allzeit treu zum Führer steh´n“, wer solche Texte musikalisch unterlegte tat es aus Überzeugung.

Es ist eine historische Ungerechtigkeit, dass solche Namen immer noch schwarz auf blütenweiss an Arnsberger Straßen stehen. Und es beschämt, dass der Aufwand, den BürgerInnen bei einer Umbenennung zu tragen hätten, oder die Aktualität von Navigationsgeräten als Gegenargumente überhaupt genannt werden.
Wer interessiert ist, kann gern unsere sämtlichen Rechercheergebnisse zur Verfügung gestellt bekommen, Reden von Wagenfeld, Zitate aus verschiedenen Zeitschriften, die Lieder des Herrn Nellius, es ist eine Menge zusammengetragene Widerwärtigkeitsliteratur, einfach eine Mail an email hidden; JavaScript is required schicken.

Hier Wagenfelds Rede auf dem Westfalentag 1934:

Wagenfeld-Rede Westfalens Jugend an die Front

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